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Warum Japan mit Norddeutschland kooperiert

Keno Westhoff
Hybridgroßspeicher in Varel.

Hybridgroßspeicher in Varel. Bild: EWE AG.

Am 1. November wurde ein Hybridgroßspeicher in Varel in Betrieb genommen. In den Batterien wird der reichlich vorhandende Windstrom Frieslands bei Überproduktion gespeichert, bei Flaute wieder in das Netz eingespeist. Für dieses Projekt arbeitete die EWE mit den japanischen Unternehmen Hitachi Chemical, NGK Insulators und Hitachi Power Solutions zusammen. Gefördert wurde die Kooperation von der japanischen Energieagentur NEDO. International wird nun an der deutschen Energiewende gearbeitet. Woher kommt das Interesse der japanischen Partner, eine solche Technologie zuerst in Deutschland ausprobieren zu wollen? Japan hat mittlerweile doch auch eine – zugegebenermaßen recht ruppige – Energiewende. Wäre es nicht einfacher, die Batterien gleich im Heimatland zu testen?
Die Energieagentur NEDO teilte KOSTBAR mit, durch die weiter fortgeschrittene Energiewende in Deutschland sei es sinnvoller, die Technologie in Deutschland auszuprobieren. Gerade Varel sei attraktiv. Hier gebe es mehr Strom aus Windkraft, als es die Umweltbedingungen in Japan jemals zuließen. Zudem profitiere das Projekt vom liberalisierten Strommarkt und den daraus resultierenden Distributionskanäle für Elektrizität.

Anti-Atomkraft-Demonstration in Japan. Foto: 保守 / Wikipedia, gemeinfrei.

Unabhängig von den konkreten Ergebnissen der Testanlage in Varel ist jetzt schon klar, dass solche Projekte die Energiewende voranbringen. Es braucht jedoch mehr solcher Experimente und Dezentralisierungsmaßnahmen, um die Stromversorgung in Deutschland so ökologisch und sicher wie möglich zu gestalten. Zurecht weißt die NEDO darauf hin, dass die Zukunft der Energieversorgung weltweit geklärt werden muss: „Der Aufbau einer Smart Community, die die globalen Probleme lösen möchte, sollte auch global angegangen werden.“ Internationale Kooperation sei daher sehr wichtig. Was eine Smart Community sein soll, wurde uns allerdings nicht gesagt.
Dass die Industrie Ansätze zur internationalen Kooperation hat, ist löblich. Es braucht aber auch einen konsensgetriebenen Kampf für die Energiewende, gegen den Klimawandel auf dem internationalen politischen Parkett. Zudem stellen sich Fragen der gesellschaftlichen Einbettung: Wie werden Bürger*innen an Entscheidungen beteiligt? Wem sollen die Stromnetze gehören? Den Konzernen, dem Staat oder den Bürger*innengenossenschaften? Das sind Fragen für Deutschland, für Japan und für die Welt. Immerhin im technologischen Bereich bewegt sich schon etwas.

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