Cornelius Bockermann berichtet über den emissionsfreien Transport per Frachtsegler im Rahmen der Fairen Woche am 28.09.2017 im Kreativ:LABOR

Désirée Diering
Avontuur

Avontuur.

„Avontuur“ (Abenteuer) heißt das Schiff, mit dem Kapitän Cornelius Bockermann zeigen will, dass fairer Handel nachhaltig und ohne Umweltbelastung möglich ist: Der Frachtsegler braucht nur Wind für seine Reise und ist entsprechend länger unterwegs, wenn dieser ausbleibt. Von neun Tagen Flaute im Passat berichtet er. Das ist ungewöhnlich für diesen sonst so verlässlichen Wind. Doch für die Crew und ihre Fracht ist dies kein Grund zur Panik. Ihre Kunden wissen, dass an Board der Avontuur konsequent umweltfreundliches Verhalten oberste Priorität hat und Emissionen so auf ein Minimum reduziert werden. Selbst der Notfallmotor wird nur zum Einfahren in den Hafen genutzt, denn er wird – im Gegensatz zu den dreckigen Schleppern – mit GtL, einem synthetischen Dieselkraftstoff mit deutlich weniger Emissionen betrieben. Gegessen wird an Bord übrigens ausschließlich in Bio-Qualität und warm duschen ist zwar gesetzlich vorgesehen, will aber bei der körperlich schweißtreibenden Arbeit von der Crew gar nicht in Anspruch genommen werden. Diese Details zeigen, wie detailliert das Konzept des emissionsfreien und fairen Handels durchdacht ist und gelebt wird.

Und das ist auch gut so: Die derzeit mehr als 90.000 Containerschiffe, die Haupttransportmittel unseres Welthandels sind, sind mit Abstand die größten Verschmutzer im Transportsektor. Die vom Straßen- und Luftverkehr produzierten Emissionen sehen dagegen tatsächlich vergleichsweise harmlos aus. Motorgetriebene Frachtschiffe zerstören die Umwelt und sondern lebensgefährliche Giftstoffe ab. Ein einziger Ozeanriese produziert auf seiner Reise so viele Schadstoffe, wie fünf Millionen Autos auf gleicher Strecke. Das sind Zahlen, die überwältigen. Wie kann diese Situation verbessert werden? Der Anspruch der Avontuur ist es nicht, den Welthandel mit Segelschiffen zu bewältigen, wie sollte das bei den Mengen auch gehen? 140 Tonnen Fracht schafft das Schiff, wenn es voll beladen ist. Da stellt sich direkt die Frage, was wir an unseren Komsumgewohnheiten ändern sollten und welche Güter wirklich ihren Weg über die Weltmeere in unser System des Fast Fashion, Fast Food, generell, Fast Consumption finden sollten.

1920 in Stadskanaal (Provinz Groningen) erbaut, hat Bockermann mit über hundert Freiwilligen das Schiff in den Jahren 2014 – 2016 in Elsfleth renoviert – für jeden Tag Arbeit gab es einen Tag an Bord der Avontuur. 800 000 Euro eigenes Geld hat Bockermann in seine neue Reederei investiert, nachdem er vor Jahren seine eigene Reederei gründete, die Schwertransporte für die Öl-Industrie ausführte und unter anderem Schiffswracks vor der afrikanischen Küste barg oder komplette Plattformen transportierte. Bockermann will zeigen, dass es auch anders geht. Und viele Freiwillige sind von seiner Idee ebenso überzeugt, wie er, sodass er sich von den Hürden der deutschen Bürokratie, die nicht auf Frachtsegler eingestellt ist, ebenso wenig entmutigen lässt, wie von der schwierigen Suche nach Auftraggebern, die ihre Fracht mit der Avontuur segeln lassen wollen. Es ist nicht einfach, Querdenker zu sein, aber es ist ein Abenteuer und es macht einen riesen Spaß. Das kann Cornelius Bockermann bezeugen.

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